Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Servus!

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Auf dieser Website findest du…

📝 meinen Daily Blog in Form eines Lerntagebuches. Ich blogge hier täglich über das, was ich in meiner Arbeit als Gründungsberater und Hochschullehrer lerne. Und das ist nicht wenig.

📙 an die 400 Buch-, Vortrags- und Podcast-Notizen, die ich im Laufe der Jahre erstellt habe. Und es werden immer mehr!

🪴meinen Digitalen Garten mit meinen Podcasts, meinen Büchern, meinen Listen und meinen Newsletter. Ständig wächst was Neues nach.

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Viel Freude und Inspiration auf meiner Website!

Günter

Aus der Anstellung in die Selbständigkeit

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Der Weg in die Selbstständigkeit aus der Anstellung heraus hat ganz viele Tücken.

Hier ein paar:

  • Wir übernehmen Belohnungs- und Bestrafungsmuster für unsere Arbeit.
  • Wir übernehmen mentale Gehaltsgefüge und die Einschätzung des „Wertes“ für unsere Leistung.
  • Wir übernehmen, wie wir unserer Tage, Wochen und Jahre strukturieren.
  • Wir übernehmen, wann und wie wir Urlaub machen.
  • Wir übernehmen, wie wir unsere Leistung (nicht) messen.

Eigentlich müssten wir das, was wir in unseren Anstellungen gelernt haben, ablegen wie einen abgetragenen Anzug, bevor wir in die Selbständigkeit starten.

Aber so leicht ist das nicht.

Vorbilder schlagen Förderprogramme

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Der Frauenanteil bei Gründungen in Niederösterreich lag 2025 bei 46,3 Prozent. Das war schon mal ein bisschen mehr, aber selten über 50 Prozent.

Das Problem ist nicht fehlende Förderung. Es gibt eine ganze Menge Unterstützungsprogramme speziell für Frauen, auch und gerade in Sachen Gründung und Selbständigkeit.

Das Problem: Frauen entwickeln seltener überhaupt ein Gründungsinteresse. Ist das Interesse da, setzen sie ihre Pläne genauso häufig um wie Männer und bleiben genauso lange am Markt.

Die Frage ist also: Wie kann man das Interesse von Frauen an der Selbstständigkeit wecken? Cathi Bruns schlägt drei spannende Ansätze vor, mit denen sich die meisten Förderprogramme schwer tun:

  1. Vorbilder, die zeigen, dass es geht.
  2. Unternehmerisches Know-how – Geschäftskonzeption, Positionierung, Finanzbildung – spannend zugänglich gemacht.
  3. Eine Kultur, die Selbstständigkeit als normalen Karriereweg begreift.

Frauen brauchen ihrer Ansicht nach keine spezielle Gründungsförderung. Sie brauchen dieselbe Chance wie alle: Zu sehen, dass es geht, zu lernen, wie es geht, und dann selbst zu entscheiden.

Ohne Stimme

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EPU können sich keine Lobbyisten leisten.

Das ist ein Problem.

Das Erfolgsrezept für ein fremdes Business

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Unlängst bin ich über einen Newsletter gestolpert, der ein Muster beschreibt, das ich aus meiner Beratungspraxis sehr gut kenne.

Jemand kauft sich ein Marketing-Programm. Investiert Zeit und Geld. Folgt den Schritten. Baut den Funnel, schreibt die E-Mails, postet den empfohlenen Content.

Und dann: Nichts. Nada. Niente.

Das Problem liegt nämlich woanders. Die meisten Marketing-Programme verkaufen dir nicht eine Strategie für dein Business. Sie verkaufen dir die Replikation dessen, was für deren Business funktioniert hat.

Das Geschäftsmodell der Person, die dir das Programm verkauft, schaut aber wahrscheinlich komplett anders aus als deines. Sie braucht vielleicht hunderte Kund:innen pro Jahr, du brauchst fünf. Oder umgekehrt. Sie verkauft über automatisierte Systeme, du über persönliche Gespräche. Sie hat ein Team, du bist allein.

Du bist nicht gescheitert. Du hast bloß versucht, den Bauplan für ein fremdes Gebäude auf dein Grundstück zu legen.

Was du als Erstes verlierst

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Wenn jemand sein Business “skalieren” will, fragt er sich vielleicht: Was brauche ich dafür? Mehr Kund:innen, mehr Umsatz, vielleicht ein Team?

Die bessere Frage wäre: Was verliere ich dabei?

Die Antwort ist fast immer: Zeit. Zeit für die Dinge, die nichts mit dem Business zu tun haben: Hobbys, am Vormittag spazieren gehen, ein Buch lesen, ohne dass daraus ein LinkedIn-Post werden muss.

Das sind alles keine Kleinigkeiten. Das ist oft genau der Grund, warum du selbständig geworden bist.

Da draußen hörst du an jeder Ecke, dass du “wachsen” sollst. Aber niemand sagt dir, welchen Preis du dafür zahlen wirst.

[Danke Justin Welsh für diesen Gedanken]

Du sollst nicht lügen

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Es gibt keine Alternative zur Wahrheit. 

Auch die Lüge ist keine Alternative.

Im Gegenteil: Die Lüge ist eine Anerkennung der Wahrheit.

Faszination Warren Buffet

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Unlängst habe ich mit jemandem über Warren Buffet gesprochen.

Mein Gesprächspartner war beeindruckt von der Arbeitsweise des 94-Jährigen, von seiner Bescheidenheit und – natürlich – von seinem finanziellen Erfolg.

Aber was macht Warren Buffet denn so Besonderes?

  • Er tut das, was er am besten kann. Seit vielen, vielen, vielen Jahren.
  • Er macht nichts, wovon er nichts versteht.
  • Er hat kompetente Leute um sich, mit denen er gut zusammenarbeitet und die like-minded sind.
  • Er hat klare Prinzipien und bleibt diesen Prinzipien treu. Auch, wenn er dadurch (kurzfristige) Gewinnmöglichkeiten auslässt.

Warren Buffet macht aus meiner Sicht also nichts Besonderes. Zumindest nichts, was wir alle nicht ebenso gut machen könnten.

Was aber das Besondere ist: Warren Buffet weicht von seinen Prinzipien nicht ab. Er bleibt sich selbst treu. Er leidet nicht unter FOMO, und er weiß, wie wichtig es ist, strategisch zu denken und eine Strategie langfristig zu verfolgen.

Das macht er seit fast 70 Jahren so. Und wir Solopreneure tun uns schon schwer, eine Strategie 70 Tage lang durchzuhalten (sofern wir überhaupt eine haben).

Das ist der große Unterschied zwischen uns und Warren Buffet.

6. Geburtstag

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Heute feiert mein Blog seinen sechsten Geburtstag.

Seit 13. März 2020 habe ich jeden Tag einen Blog-Artikel veröffentlicht und keinen einzigen Tag versäumt.

Manchmal passiert es mir, dass ich auf einen Blogpost angesprochen werde. Und ab und zu sagt sogar jemand zu mir, dass er bewundert, wie vielfältig und klar meine Gedanken sind.

Aber im Grunde mache ich diesen Blog immer noch für mich. Er ist ein Geschenk an mich selbst.

Und deshalb wünsche ich mir zum Blog-Geburtstag nichts Anderes, als dass ich nächstes Jahr um diese Zeit wieder sagen kann: Seit 13. März 2020 habe ich jeden Tag einen Blog-Artikel veröffentlicht und keinen einzigen Tag versäumt.

Neue Zeitrechnung

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Als Angestellte:r denkt man “monatlich” – weil man ja auch monatlich sein Gehalt bekommt.

Als Gründer:in ist es besser, “jährlich” zu denken – weil man feststellen wird, dass das Einkommen über’s Jahr verteilt sehr unterschiedlich reinkommt.

Als Unternehmer:in ist es noch besser, in “Saisonen” zu denken – weil man draufkommt, dass es auch im eigenen Business verschiedene “Jahres-Zeiten” gibt. Zeiten, wo die Dinge zu wachsen beginnen. Zeiten, wo die Sonne scheint. Zeiten, wo die Früchte zu ernten sind. Und dann halt leider auch Zeiten, wo alles wie zugefroren scheint.

Eine der größten Herausforderungen beim Selbständigmachen ist also, seine Zeit-Rechnung umzustellen.

Der versteckte Preis der Innovation

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Innovation klingt super sexy. Aber Innovation hat auch einen Haken, über den kaum jemand spricht: Wenn du ein echt innovatives, noch nie da gewesenes Angebot hast, musst du dir die Vertriebsstruktur von Grund auf selbst aufbauen.

Das Etablierte hat seine Vertriebswege längst gefunden. Vertriebskanäle funktionieren, Händler:innen kennen die Produkte, Kund:innen wissen, wo sie hingehen müssen. Wenn du mit etwas wirklich Neuem kommst, stehst du da mit deiner brillanten Idee und keiner weiß, wie er sie bekommen soll – oder dass es sie überhaupt gibt.

Innovationen bedeutet also immer doppelte Arbeit. Du entwickelst nicht nur dein vollkommen neues Produkt, du musst auch die komplette Infrastruktur drumherum erfinden. Während die Konkurrenz einfach ihre gut eingefahrenen Wege nutzt.

Die Frage im Gründungsprozess ist also nicht nur: Ist die Idee gut? Sondern: Hast du die Ressourcen, die Vertriebswege mitzubauen – und durchzuhalten, bis sie funktionieren?

Individuell und gemeinsam

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Von Matthias Horx habe ich gelernt: Zu jedem Trend gibt es einen Gegentrend.

Spannend ist die Kombination aus Trend und Gegentrend beim Megatrend “Individualisierung”: Die Menschen brauchen ihre Individualität weiterhin, aber sie wollen diese Individualität in Gemeinschaft erleben.

Das ist ganz spannend für mich als jemanden, der sinnvolle Angebote für Gründer:innen und Solopreneure entwickelt. Ich merken nämlich auch: Solopreneure sind der Inbegriff von Individualisten, aber sie “wollen ihre Individualität in einem neuen Setting erleben und ausüben”, sagt Oona Horx Strathern.

Ich könnte mir vorstellen, dass mich diese spannende Kombination im Jahr 2026 noch viel beschäftigen wird.

Zeit ist nicht Geld

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Chantel Chapman schreibt in ihrem Buch The Trauma Of Money etwas, das man sich als Selbständiger hinter die Ohren schreiben sollte: Zeit ist NICHT Geld.

Zeit und Geld sind völlig unterschiedliche Kategorien. Sie lassen sich nicht ineinander um- und zurückverwandeln. Die im Solo-Business-Space gängige Idee, dass man “Zeit gegen Geld tauschen” könnte, führt also komplett in die Irre.

Aber: Unsere Beziehung zu Zeit und unsere Beziehung zu Geld haben sehr viel miteinander zu tun. Wer ein Geld-Thema hat, hat meist auch ein Zeit-Thema – und umgekehrt. So, wie wir unsere Zeit behandeln, behandeln wir auch unser Geld.

Aus diesem Umstand heraus entsteht vielleicht auch die “Verwechsungsgefahr” von Zeit und Geld. Aber den Unterschied klar vor Augen zu haben, ist spielentscheidend für Solopreneure.

Der Installateur, der keine Rohre kennt

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Meine Beobachtung als Gründungsberater: Die meisten Marketing-Probleme sind keine Marketing-Probleme.

Wer keine Kund:innen gewinnt, glaubt oft, das falsche Tool zu nutzen. Falscher Newsletter-Anbieter. Falsche Posting-Zeit. Falscher Hashtag. Also wird optimiert, experimentiert, gebucht – neues Webinar, neue Strategie, neues Glück. Aber: Das eigentliche Problem sitzt tiefer.

Das Problem liegt im Geschäftsmodell. Kein klares Angebot. Keine definierte Zielkunden. Keine Klarheit, wofür die Kunden eigentlich bezahlen sollen.

Das sind alles keine Marketing-Fragen. Das sind Grundlagenfragen. Und wer sie nicht beantwortet hat, dem hilft auch der beste Marketing-Kurs nichts – so wie einem Installateur, der keine Rohre kennt, ein neues Werkzeug wenig nützt.

Klar: Symptome behandeln ist einfacher als Ursachen suchen. Und die Anbieter von Marketing-Kursen wissen das.

Perspektivenwechsel als Superpower

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Wenn du gerade knapp bei Kasse bist, siehst du die Welt durch die Brille eines leeren Bankkontos. Wenn dann plötzlich eine Kundenanfrage reinkommt, wird sie zum potenziellen Rettungsring.

Aber: Deine Aufmerksamkeit wird von deiner Geldknappheit gesteuert. Du bist in dieser Perspektive gefangen, wenn du dir die Kundenfrage durchliest. Du siehst nur den potenziellen Umsatz und blendest viele Details aus.

Besser wäre es, wenn du es schaffst, auf deine finanzielle Anspannung zu schauen. Aus der Vogelperspektive heraus wahrzunehmen: “Ah, interessant – ich bin gerade unter Druck und das beeinflusst meine Bewertung dieser Anfrage. Bin ich mir wirklich sicher, dass ich diesen Auftrag annehmen kann und will?”

In diesem Moment bist du nicht mehr komplett in deinen finanziellen Sorgen gefangen. Du hast einen Abstand zwischen dem Impuls (der Anfrage) und deiner Reaktion geschaffen – und kannst dadurch bessere Entscheidungen treffen.

Diesen Abstand schaffen zu können, ist die Superpower, die echte Entscheidungsfreiheit erst möglich macht. Solange du komplett in einer Perspektive gefangen bist, handelst du impulsiv – und oft zu deinem eigenen Nachteil.

Aber wenn du aus der unmittelbaren Dringlichkeit heraustreten kannst, dann kannst du wählen.

Die Scarcity-Falle

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Mir kommt vor, viele Solopreneure treffen genau dann ihre schlechtesten Entscheidungen, wenn sie sie sich am wenigsten leisten können.

Wenn dir das Geld ausgeht, wenn du nicht weißt, wie du nächsten Monat die Fixkosten decken sollst und an dir selbst zweifelst – dann spürst du starke scarcity. Dein Gehirn geht in den Überlebensmodus. Und dadurch schrumpft deine mental bandwidth dramatisch.

Das bedeutet: Du bist nicht mehr zugänglich für differenzierte Argumente. Und für dein Solo-Business kann das bedeuten: Du interessierst dich nicht für langfristig sinnvolle Veränderungen im Geschäftsmodell – sondern kaufst den Kurs von jemandem, der sagt: Mit meinem Kurs machst du in zwei Wochen sechsstellige Umsätze! Auch wenn du eigentlich ganz genau weißt, dass dieses Versprechen zu gut ist, um wahr zu sein.

Das ist keine Dummheit. Das ist ein Gehirn unter existenziellem Stress, das einfach nicht mehr klar denken kann. Und genau deswegen sind Menschen in dieser Lage so anfällig für Bullshit-Versprechen.

Nicht weil sie naiv wären, sondern weil ein überlastetes Gehirn keine guten Entscheidungen trifft.

Im Krieg

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Gestern habe ich mit einem Gründer gesprochen, der aus dem Iran kommt.

Es ist schwer, sich auf die Gründung zu konzentrieren, wenn in deinem Heimatland Krieg herrscht und du in Sorge um die Sicherheit deiner Familie bist.

Oder, anders formuliert: Egal, welche Sorgen du gerade in deinem Business hast… Wahrscheinlich ist es ein Luxus-Problem.

Die Mindset-Ausrede

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Unlängst ein Gespräch über Geld in der Selbständigkeit. Ja, klar: Das Mindset spielt eine Rolle, gerade wenn es ums Geld geht. Innere Blockaden, limitierende Glaubenssätze, das ganze Programm. Stimmt schon.

Aber…

Bevor wir uns in monatelange Mindset-Arbeit stürzen, könnten wir in unserem Solo-Business vielleicht ein paar hard facts erledigen: Hast du eine durchdachte Produkt-Treppe? Gibt es eine Sales-Struktur, die diesen Namen verdient? Hast du eine Pricing-Strategie oder bestimmst du deine Preise auf Zuruf?

Das sind alles keine Mindset-Fragen. Das sind Hausaufgaben. Konkrete, erledigbare Aufgaben. Kein Coach der Welt kann dir die abnehmen. Das musst du selbst machen.

Und zwar ganz unabhängig davon, ob dein Money Mindset aligned ist oder nicht.

Taktik-Touristen

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So nennt Philipp Maderthaner jene Selbständigen, die in jede Marketing-Taktik “eineprobieren”, die auf Social Media gepredigt wird – aber keine davon richtig machen. Weil sie aufgeben, wenn die Taktik nicht schnell funktioniert. Weil sie keine Geduld haben und viel zu inkonsequent sind.

Das ständige “Eineprobieren” kostet viel Energie – und führt letztlich zu Überforderung.

Ein bissl mehr Strategie, ein bissl mehr Plan, ein bissl mehr Geduld… und das Marketing wäre viel entspannter.

Gelassene Beratung

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Das Geheimnis guter (stressfreier) Beratung ist vielleicht, nicht mehr zu wollen, als in dieser einen konkreten Beratungssituation gerade möglich ist. 

Die neue Leistungsgesellschaft

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Wolf Lotter schreibt: “Die Mühen der Ebenen bestehen darin, herauszufinden, was wir wollen.” Das ist aus seiner Sicht gefordert in einer “neuen Leistungsgesellschaft”: Nicht mehr Fleiß, nicht mehr Disziplin, nicht mehr Durchhaltevermögen – sondern Klarheit.

Ich sehe das täglich in der Beratung. Solopreneure kommen mit Umsatzproblemen, mit Positionierungsfragen, mit Marketingthemen. Aber wenn wir graben, liegt darunter fast immer dieselbe ungeklärte Frage: Was will ich eigentlich? Nicht: Was sollte ich wollen. Nicht: Was wäre klug. Nicht: Was erwarten andere von mir. Sondern: Was will ich.

Das ist die härteste Prüfung im Solopreneurship. Denn diese Frage kann dir niemand beantworten. Kein Berater, kein Coach, kein Podcast. Du musst sie selbst klären. Und zwar nicht einmal, sondern immer wieder. Weil sich die Antwort ändert, wenn du dich veränderst.

Viele Solo-Businesses scheitern nicht am Markt. Sie scheitern an dieser ungeklärten inneren Frage. Sie rennen los, ohne zu wissen wohin. Sie bauen Business auf fremden Fundamenten.

Und wundern sich dann, warum es sich falsch anfühlt, obwohl sie doch alles “richtig” gemacht haben.