Das digitale Notizbuch von Günter Schmatzberger

Servus!

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Auf dieser Website findest du…

📝 meinen Daily Blog in Form eines Lerntagebuches. Ich blogge hier täglich über das, was ich in meiner Arbeit als Gründungsberater und Hochschullehrer lerne. Und das ist nicht wenig.

📙 an die 400 Buch-, Vortrags- und Podcast-Notizen, die ich im Laufe der Jahre erstellt habe. Und es werden immer mehr!

🪴meinen Digitalen Garten mit meinen Podcasts, meinen Büchern, meinen Listen und meinen Newsletter. Ständig wächst was Neues nach.

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Viel Freude und Inspiration auf meiner Website!

Günter

KI für Gründungsberater

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Tanja Lenke gibt allen Gründungsberater:innen für 2026 einen spannenden Gedanken mit auf den Weg:

„Entscheidend ist, ob dein Angebot echten Mehrwert bietet, der über ChatGPT & Co. hinausgeht.“

Gegen das Leben

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Wenn du mit der Imperfektion haderst, dann stemmst du dich gegen das Menschsein an sich. 

Am Meer

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Unlängst, im Museo de Málaga, ist mir folgender Gedanke gekommen:

Menschen, die am Meer leben, malen das Meer. Weil sie das Meer beschäftigt. 

Was sonst sollten sie malen?

Ein Käfig ohne Gitter

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Maggie Patterson beschreibt ein Phänomen, das vermutlich die meisten Solopreneure kennen: Wir bauen uns unser Business, weil wir Zeit und Freiheit wollen. Für Familie, Hobbys, Freunde – oder einfach nur Ruhe.

Und wenn wir dann die Gelegenheit hätten, diese Freiheit zu genießen? We freeze.

Da ist plötzlich der freie Nachmittag. Die Woche ohne Kundentermine. Und was machen wir? Wir öffnen den Laptop, werkeln an der Website herum oder brainstormen unser nächstes Produkt. Irgendwas “Produktives” halt.

Wir kämpfen also für eine Freiheit, die wir dann nicht leben können. Weil wir uns selbst ein schlechtes Gewissen machen.

Besser ist immer super

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Das klingt banal, ist aber das Gegenteil vom Perfektionismus, der uns Solopreneuren oft im Weg steht.

Wer sich optimal vornimmt, blockiert sich selbst — wer sich besser vornimmt, kommt jeden Tag einen Schritt weiter.

Eine der nützlichsten Fragen beim Aufbau eines Solo-Businesses ist: “Wie mache ich es heute ein bisschen besser als gestern?”

Der Dämon, der bleibt

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Unlängst saß ich mit Sonja im KHM vor einem Altarbild von Peter Paul Rubens. Ignatius von Loyola treibt dort Dämonen aus – hoch dramatisch, wie immer bei Rubens.

Sonja erzählt mir dabei von einer Party, wo jemand von einem bevorstehenden Retreat geschwärmt hat. Ziel: die eigenen Dämonen nähren. Nicht besiegen, nicht austreiben wie in diesem Altarbild – nähren. Mit ihnen in Dialog treten, sie verstehen, mit ihnen leben lernen.

Und Sonja fragt mich: Warum sollte man seine Dämonen nähren wollen – und nicht austreiben?

Meine spontane Antwort: Weil sich mit einem Dämon, der nie ganz verschwindet, länger Geschäft machen lässt.

Das ist keine Kritik an dieser spirituellen Praxis, dafür verstehe ich davon viel zu wenig. Es geht mir um ein strukturelles Muster: Systeme, die von Problemen leben, haben oft wenig Interesse an endgültigen Lösungen. Ein ausgetriebener Dämon ist ein verlorener Kunde. Ein genährter Dämon kommt zum nächsten Workshop und bucht das Follow-up-Retreat.

Das gilt für Coaching, für Therapien – und auch für Gründungs- und Unternehmensberatung. Und nicht zuletzt für einen großen Teil dessen, was wir “Selbstoptimierung” nennen.

Die Frage ist nicht, ob der Ansatz funktioniert. Die Frage ist: Wer profitiert davon?

Das Anti-Angeber-Programm

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Mir kommt manchmal vor, wir Solopreneure haben eine Art “Anti-Angeber-Programm” installiert.

“Keiner mag einen Angeber”, steckt in unserem Hinterkopf. Und wenn wir dann die Chance haben, uns und unsere Arbeit zu präsentieren, dann machen wir uns selbst klein – um nur ja nicht wie ein Angeber zu wirken. Wir setzen auf Understatement, weil wir denken, das hätte Klasse.

Eine vernünftige Selbstpräsentation hat überhaupt nichts mit Angeben zu tun. Es ist schlicht das Nennen von Fakten. Du hast etwas geleistet? Haben deine Kund:innen durch dich Erfolg? Hast du einen großen Auftrag bekommen? Dann sag es. Ohne “eigentlich” und “ein bisschen” und “naja, ist ja nichts Besonderes”.

Die anderen können nur mit den Informationen arbeiten, die du ihnen gibst.

[Danke Katharina Lewald für diesen Gedanken.]

Good Companies

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Transparenz ist der simpelste Lackmustest für Good Companies. Wer transparent sein kann, hat nichts zu verbergen. Wer nicht transparent sein kann – weil ihm sonst Gegenwind entgegen blasen würde – der kann keine Good Company sein. So einfach ist das.

Good Companies müssen nichts verstecken. Keine fragwürdigen Lieferketten, keine ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, keinekreative Buchführung. Sie können ihre Zahlen zeigen, ihre Prozesse offenlegen, ihre Entscheidungen erklären.

Nicht, weil sie besonders mutig sind, sondern weil es schlicht nichts gibt, wofür sie sich genieren müssten..

Schwierigkeiten als Filter

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Wenn’s schwierig wird, ist das wahrscheinlich eine gute Nachricht. Weil genau diese Schwierigkeiten all jene abschrecken, die nicht so engagiert sind wie du.

Das ist der natürliche Filter, der dafür sorgt, dass nur die wirklich Entschlossenen am Markt übrig bleiben. Während andere bei der ersten Hürde abbiegen, machst du weiter – nicht weil du härter bist, sondern weil dir die Sache wirklich wichtig ist.

Schwierigkeiten sortieren aus. Sie trennen die, die dabei bleiben wollen, von denen, die dabei bleiben müssen.

[Danke Seth Godin für diesen Gedanken

Das Label ist nicht so wichtig

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Bryan von Visual Thinkery arbeitete jahrelang erfolgreich, konnte aber nicht erklären, was er eigentlich macht. “Visual Thinker” sagte er. “Cartoonist” auch mal. Beides fühlte sich nicht richtig an. Bis ein Kunde das Wort “Sensemaking” in den Raum warf.

Auf einmal ging ihm ein Licht auf. Plötzlich ergab alles einen Sinn.

Vielen Solopreneuren geht es wie Bryan. Sie starten mit einer Idee, experimentieren, passt an, findest heraus, was funktioniert und was nicht. Die Arbeit läuft. Die Kund:innen sind zufrieden. Aber die Frage “Was machst du eigentlich?” bringt sie ins Schwitzen.

Und das ist vollkommen in Ordnung.

Die Bezeichnung ist das Letzte, was du brauchst – nicht das Erste. Solopreneurship ist ein organischer Prozess, bei dem die Arbeit definiert, wer du als Solopreneur bist. Manche finden ihr Label nach drei Monaten. Andere nach drei Jahren. Bryan brauchte “many moons”. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Arbeit in der Zwischenzeit weniger wertvoll war.

Mach deine Arbeit. Das Schild kannst du später anbringen.

Das Notizbuch ist voll

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Wir Lifestyle Entrepreneure sind oft Weltmeister im Sammeln von Erkenntnissen. Nach jedem Kundengespräch eine Notiz. Nach jedem Meeting ein Protokoll. Nach jedem Webinar drei Seiten voller Aha-Momente. Die Notizbücher quellen über, die Notion-Datenbanken werden immer umfangreicher, das Evernote-Archiv-System immer ausgeklügelter.

Aber dann?

Malcolm Werchota bringt es auf den Punkt: “Das Protokoll ist nicht wichtig. Was wir aus dem Protokoll machen, ist wichtig.” Der Moment, wo aus der notierten Erkenntnis eine konkrete Handlung wird – den lassen wir gerne aus. Wir bleiben im Dokumentationsmodus stecken.

Das gilt für Kundengespräche (notiert, aber nicht umgesetzt), für Feedback (gesammelt, aber nie integriert), für strategische Erkenntnisse (analysiert, aber nichts verändert).

Die eigentliche Arbeit beginnt erst, wenn das Notizbuch geschlossen wird.

Genug

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Echte unternehmerische Freiheit beginnt, wenn du “genug” für dich definiert hast. Nicht das nächste Umsatzziel – sondern der Punkt, an dem du sagst: Das reicht.

Wer “genug” hat, rebelliert gegen ein System, das auf ewigem Wachstum, permanenter Unzufriedenheit und Konsum aufbaut. Nicht durch laute Parolen, sondern durch eine bewusste persönliche Grenzziehung.

Du spielst einfach nicht mehr mit. Das ist radikaler, als es klingt.

Alle happy?

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“Es hat sich noch niemand beschwert!” – Dieser Satz könnte für dein Solo-Business gefährlicher sein, als du denkst.

Warum? Weil Beschwerden ein Luxus-Problem sind. Wer sich beschwert, ist noch da. Wer sich beschwert, investiert Energie in die Beziehung zu dir. Wer sich beschwert, gibt dir eine zweite Chance.

Die gefährlichen Kund:innen sind nicht die fordernden – das sind die stillen, die einfach verschwinden.

Das Privileg der Orientierungslosigkeit

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Wenn du in Österreich als Gründer:in nicht weißt, welches Business du genau gründen sollst – Glückwunsch. Du hast ein Luxusproblem.

Keine existenzielle Not zwingt dich zur Selbständigkeit. Keine natürliche Bedrohung treibt dich dazu. Du musst nicht ums Überleben kämpfen. Du darfst grübeln, zweifeln, suchen. Du darfst drei Geschäftsmodelle ausprobieren und dann doch was ganz anderes machen. Das ist ein Privileg, das längst nicht alle Menschen auf diesem Planeten haben.

Aber: Das macht die Sache nicht leichter. Im Gegenteil.

Druck von außen ist eindeutig. Druck von innen ist diffus. Wenn die Miete nicht bezahlt werden kann, weißt du wahrscheinlich ziemlich klar, was zu tun ist. Wenn du dir “nur” unsicher bist, ob du den Weg der Selbständigkeit gehen willst – was dann? Es geht ja nicht um Leben und Tod.

Viele Gründer:innen verwechseln dieses Privileg mit Versagen. Sie schämen sich für ihre Orientierungslosigkeit. Dabei ist genau das – die Zeit und der Raum zum Suchen – der größte Luxus, den unser System bietet.

Wolf Lotter hat recht. Wir müssen lernen, uns ohne Zwang anzustrengen. Aber vielleicht müssen wir vorher lernen, dankbar für diesen Zwang-losen Raum zu sein.

Nur ned hudeln

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Seit letzten Mittwoch hat die Österreichische Wirtschaftskammer (WKO) eine neue Chefin: Martha Schultz – ursprünglich die Übergangslösung nach dem Abgang von Harald Mahrer.

Bei ihrer Bestellung kündigte Martha Schultz (erneut) Reformen für die WKO an. Eine Reformgruppe habe bereits ihre Tätigkeit aufgenommen, sagt sie. Sie soll „Strukturen und Prozesse weiterentwickeln und die Wirtschaftskammer effizienter auf die Bedürfnisse der Betriebe ausrichten.“

„Ich will keine Zeit verlieren”, sagt sie außerdem. „Ziel bleibt, erste Ergebnisse im Juni im Wirtschaftsparlament zu präsentieren.“

Im Juni? Erste Ergebnisse?

Na bumm, da geht’s ja ordentlich dahin in der WKO mit der neuen Chefin.

Was man nicht lehren muss

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Wenn man von Entrepreneurship Education in Schulen spricht, könnte man meinen, es ginge darum, wie man den Kindern Unternehmertum am besten beibringen könnte. Aber das ist die falsche Frage. Die richtige Frage wäre: Wie verhindern wir, dass wir es ihnen systematisch austreiben?

Kinder sind von Natur aus unternehmerisch. Sie probieren aus, sie basteln Lösungen, sie handeln. Ein Kind, das Bücher und Kuscheltiere am Flohmarkt verkauft, hat nicht vorher eine Vorlesung über Geschäftsmodelle gehört. Oder einen Online-Kurs über sein Money Mindset. Es hat eine Idee und macht einfach. Der Unternehmergeist ist da.

Aber: Was passiert, wenn unseren Kinder über Jahre eingetrichtert wird, dass es eine richtige Lösung gibt? Dass es immer jemanden gibt, der diese richtige Lösung kennt und deine Lösung beurteilt? Und dass du erfolgreich bist, wenn du immer die erwarteten Antworten gibst?

Niemand muss Kindern beibringen, unternehmerisch zu sein. Man muss ihnen nur erlauben, es zu bleiben.

Exzellente Arbeit

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Exzellenz bedeutet auch, dass man weiß, dass niemand in allem perfekt ist und sein kann.

Exzellenz entsteht durch das Zusammenwirken von vielen, die ihre Stärken einbringen.

Beruf oder Familie

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Klaus Schwertner, Direktor der Caritas der Erzdiözese Wien, hat unlängst über das Spannungsfeld gesprochen, dass seine Familie für ihn immer an erster Stelle steht, dass er aber gleichzeitig auch seine Arbeit “sehr gern macht”.

Die Hingabe für seine Arbeit kann von außen so wirken, als würde seine Familie die zweite Geige spielen — z.B. wenn er in Kriegsgebiete in der Ukraine oder im Südsudan fährt.

Gleichzeitig glaube ich ihm vollkommen, wenn er sagt, seine Familie sei ihm das Wichtigste.

Es ist und bleibt ein Spannungsfeld. Er nennt es seine “Lebensaufgabe”, einen vernünftigen Ausgleich zwischen Beruf(ung) und Familie zu schaffen.

Als Lifestyle Entrepreneur weiß ich genau, wovon er spricht.

Niemand verliert gegen die Konkurrenz

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Die meisten Solopreneure verlieren nicht gegen die Konkurrenz. Sie verlieren gegen sich selbst. Gegen die Dinge, die sie für unwichtig halten, weil sie nicht direkt mit dem Produkt zu tun haben. Kommunikation. Erwartungsmanagement. Messaging. Erreichbarkeit… fallen mir ein.

Es sind viele Kleinigkeiten, aber diese Kleinigkeiten summieren sich. Nicht sofort. Aber über die Zeit.

Mein Tipp: Mach jeden Tag eine kleine Sache besser in deinem Solo-Business. Nicht (nur) besser für dich, sondern für deine Kund:innen. Denn auch diese kleinen Verbesserungen werden sich über die Zeit summieren.

Das Umsetzungs-Paradox (3/3): Das Ende der To-Do-Listen-Pädagogik

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Kathrin Gildner sagt: Viele Solopreneure spüren einen mentalen Overload durch die unendliche Anzahl an Dingen, die sie machen müssten, könnten, sollten. Noch ein Framework, noch eine Methode, noch eine Strategie auf der eh schon viel zu langen Liste.

Sie meint deshalb, dass die klassische “Hier sind 5 Schritte”-Pädagogik´ nicht mehr funktioniert, denn eine “neue Methode” wird nicht mehr als Hilfe, sondern als Last empfunden.

Was Solopreneure stattdessen brauchen: Reduktion, nicht Addition. Nicht “Was könnte ich noch machen?”, sondern “Was kann ich weglassen?” Nicht “Welche Strategie fehlt mir noch?”, sondern “Wie bekomme ich dorthin, wo ich eigentlich hin will?”

Die Antwort darauf ist nicht noch irgendein Online-Kurs, den keiner braucht. Das infinite game des Solopreneurship erfordert eine neue, eine andere Didaktik. Eine, die nicht ständig neue Baustellen aufmacht, sondern hilft, auf den bestehenden Baustellen voranzukommen.